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Susannchens kleine Impfkunde – Heute: Herdenschutz

Ist eigentlich jedem klar, was mit dem Begriff des "Herdenschutzes" gemeint ist? Und welche Bedeutung die "Durchimpfungsrate" hat? Und warum man das Impfen auch als "soziale Veranstaltung" bezeichnet?  Nein? Dann wollen wir uns heute mal darum kümmern.   Ja? Dann erfahren Sie hier bei Susannchen sicher noch etwas Neues dazu.

Wir wissen schon aus einem früheren Beitrag unserer kleinen Reihe, dass die einzig erfolgversprechende Taktik gegen die Ausbreitung von Infektionskrankheiten darin besteht, keine ununterbrochene Kette potenziell ansteckungsfähiger Menschen entstehen zu lassen. Dies erreicht man durch ein ausreichend dichtes Netz der Immunisierung durch Impfung. Dazu muss ein hoher Prozentsatz der Menschen in einem Gebiet (den man berechnen kann) wirklich immunisiert sein. Ist oder wird das Netz an zu vielen Stellen "löchrig", entstehen Brücken, über die hinweg die Infektion wieder eine Kette bilden und sich damit epidemisch verbreiten kann. Dann trifft es die nicht Immunisierten. Und dabei geht es nicht so sehr um die, die nicht immunisiert werden wollen, sondern um die, die aus verschiedensten Gründen nicht immunisiert werden können. Und für deren Ansteckung trägt derjenige Mitverantwortung, der dazu beigetragen hat, das Netz der Immunisierung zu durchlöchern. Eigentlich doch ganz einfach:

Damit ist das umschrieben, was die Epidemiologen unter "Herdenschutz" verstehen. Die Bildung eines Schutzraumes rund um nicht impffähige oder immungeschwächte, meist besonders kranke und schutzbedüftige Mitglieder der Gesellschaft: Umgeben von den anderen sind sie geschützt vor äußeren Einflüssen und können im Prinzip ein genauso ungefährdetes Leben führen wie die anderen - was ohne den Herdenschutz nicht möglich wäre. Solidarität im besten Sinne.

Man darf auch nicht vergessen, dass man selbst als Geimpfter durchaus einmal in die Lage kommen kann, vom Herdenschutz profitieren zu müssen:

Seltsamerweise wird von vielen Impfgegnern die Existenz (und manchmal der Sinn) eines solchen Herdenschutzes einfach abgeleugnet - oder einfach auch nicht verstanden. Manche glauben auch, ein Herdenschutz entstehe nur bei durch die Krankheit erworbener Immunität, nicht aufgrund Immunität durch Impfung. ... Naja. Das ist eigentlich höchstens unter der Grundannahme nachzuvollziehen, dass Impfungen ohnehin nicht wirken. Besonders zynisch ist oft die von Impfgegnern gestellte Frage, weshalb denn Geimpfte solche Angst vor Ungeimpften hätten, wenn die Impfungen doch so gut wirken würden - vom Solidaritätsgedanken keine Spur.

Seltsam erscheint dann aber, dass auch Impfgegner in eine veritable Panik geraten, wenn zum Beispiel ein eingeschleppter Ebolafall bekannt wird. Alle sind froh, wenn der Betroffene und alle seine Kontaktpersonen so schnell wie möglich in die Seuchenquarantäne gesteckt werden. Warum eigentlich? Ganz einfach. Weil es für diese Virusinfektion keine Durchimpfung hier bei uns gibt. Und damit auch keinen Herdenschutz. Was ja eigentlich einen gestandenen Impfgegner nicht groß beunruhigen dürfte… In Wirklichkeit nimmt er den bei uns hier bestehenden Herdenschutz in Anspruch, obwohl er ihn ja "offiziell" leugnet.

Das Prinzip ist doch nicht schwer zu verstehen: Ist in einer Bevölkerungsmenge ein bestimmter Prozentsatz an Immunisierten erreicht, tritt ein Herdenschutz ein, weil das Ansteckungsrisiko statistisch auf einen vernachlässigbaren Wert sinkt. Dieser Prozentsatz ist übrigens von Krankheit zu Krankheit unterschiedlich und von verschiedenen Parametern - z.B. der Altersstruktur der Bevölkerung und den genauen Ansteckungsmechanismen der verschiedenen Krankheiten- abhängig. So einfach das Prinzip einleuchtet, so komplexe Berechnungs- und Beweismodelle gibt es bei den Immunologen zum Herdenschutz.

Damit sind wir bei der sogenannten Durchimpfungsrate. Man ahnt es schon: Die Durchimpfungsrate für eine bestimmte Infektionskrankheit ist der Prozentsatz an Geimpften, der einen Herdenschutz garantieren kann. Der jeweilige Prozentsatz ist eine ziemlich scharfe Grenze, es gibt da keinen langsamen, kontinuierlichen Anstieg der Ansteckungsraten, das geht ziemlich fix, wenn die Rate unterschritten wird. Wer möchte sich mal ansehen, wie sich Masernerkrankungen entwickeln, wenn die Masern-Durchimpfungsrate 85 Prozent unterschreitet? Bitte sehr:

Eindrucksvoll, nicht wahr?

Jetzt wissen wir auch, weshalb das Impfen auch "soziale Veranstaltung" genannt wird. Sie nützt nicht nur dem einzelnen Geimpften. Sich impfen zu lassen, ist eine Solidaraktion, die denjenigen zugute kommt, die zu den gesundheitlich Benachteiligten gehören, die kein großes Glück bei der genetischen Lotterie oder bei der Zuteilung schwerer Krankheiten durch das Leben hatten. Ist das nicht die Sache genauso wert wie der eigene Schutz? Darüber sollten alle Impfskeptiker und -gegner einmal nachdenken. Ob dieser Aspekt des Gemeinnutzes unter Umständen eine staatliche Impfpflicht rechtfertigen kann - zu dem Pro und Contra hierzu wird der letzte Teil unserer Serie ein paar Denkanstöße geben.

TL,DR: "too long, didn't read"

Der Herdenschutz, den eine ausreichende Durchimpfungsrate mit sich bringt, schützt Mitglieder der Gemeinschaft, die nicht geimpft werden können oder die ihre Immunität (z.B. durch schwere Krankheit) verloren haben. Daher ist Impfen eine "soziale Veranstaltung", bei der es keineswegs nur um den eigenen Schutz vor Infektionskrankheiten geht.


In der nächsten Folge werden wir über das generelle Thema "Impfschäden" informieren.

Bisher erschienen in unserer kleinen Serie:

Folge 1 - Impfen nützt!
Folge 2 - Impfen und das Immunsystem
Folge 3 - Zusatzstoffe und das liebe Geld
Folge 4 - Lügengeschichten...


Bildnachweis: Fotolia (Montage Meme) / Refutations to anti-vaccine memes (2, eigene Übersetzung) / National Health Protection Agency, UK (gemeinfrei)

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