Springe zum Inhalt

Tier-Nichtmedizin – überall…

Mein Tipp: Ab zum Tierarzt des Vertrauens!

Liebe Freundinnen und Freunde von Susannchen,

wenn man sich so umschaut in der pseudomedizinischen Szene, so wird einem immer deutlicher, wie wichtig der Aspekt "Tiergesundheit" in diesem Zusammenhang ist. Nicht zum ersten Mal weisen wir darauf hin, dass Tiere genauso einen Anspruch auf ordentliche, faktenbasierte medizinische Versorgung haben wie Menschen. Das ergibt sich letzten Endes schon aus dem Tierschutzgesetz, soweit es nicht ohnehin als Selbstverständlichkeit angesehen wird.

Aber: Pseudomedizin für Hund, Katz', Pferd und Kuh allerorten! Homöopathie in Tierarztpraxen? Weit verbreitet! Tierheilpraktiker womöglich? Ohne Zahl! Aber es gibt auch Stimmen, die sich dagegen zu Wort melden.

In England, wo die Homöopathie recht verbreitet ist, hat die höchste veterinärmedizinische Autorität, das Royal College of Veterinary Surgeons (RCVS) Ende des letzten Jahres die ihm angeschlossenen Tierärzte verpflichtet, auf homöopathische Behandlungen zu verzichten und dazu auch ein fachliches Gutachten veröffentlicht. Zitat:

Die Homöopathie existiert ohne einen anerkannten Beweis für ihre Anwendung. Außerdem beruht sie nicht auf soliden wissenschaftlichen Grundsätzen. Zur Wahrung des Tierschutzes betrachten wir solche Behandlungen allenfalls als komplementär und keinesfalls als Alternative zu Behandlungen, für die es eine anerkannte Evidenzgrundlage gibt oder die auf soliden wissenschaftlichen Grundsätzen beruhen. Es ist für diejenigen von entscheidender Bedeutung, das Wohlergehen der Tiere zu schützen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in ihren Beruf zu wahren, die sich der Pflege des Tierarztberufs verschrieben haben. Dies setzt voraus, dass Behandlungen, die nicht auf einer anerkannten Evidenzgrundlage oder soliden wissenschaftlichen Grundsätzen beruhen, unterbleiben und nicht diejenigen Behandlungen verzögern oder ersetzen, die diese Anforderungen erfüllen.

Das Geschrei und Gezeter in der homöopathischen Szene Englands war einigermaßen groß. Es wurde gar zu einer Demo aufgerufen, die von Westminster zum Sitz der RVCS zog...

... jedoch, wie so oft, war auch dies eine Frage der Perspektive:

Kommentar RCVS: It was a beautiful march. A big march. The bigliest. Haven't seen that many people on the street since Donald Trump's inauguration.

Mehr und auch Bilder der "Belagerung" der Zentrale des RVCS auf dessen Webseite hier.
Trotzdem: Nicht lustig...

Erfreulicherweise hat die deutsche Tierärzteschaft auch reagiert. Es gibt im Anschluss an die englischen Aktivitäten inzwischen eine deutsche Petition, die von den Verbandsoberen der Tierärztevereinigungen eine Positionierung ähnlich der des VetSurgeon fordert. Möchten Sie dort auch unterzeichnen (worüber wir uns freuen würden)? Einfach diesem Link folgen:

https://www.change.org/p/deutsche-tierärzte-fordern-keine-homöopathie-in-der-tierarztpraxis?source_location=topic_page

Diese Petition braucht dringend Unterstützung. Man mag von solcherlei Petitionen auf Internet-Plattformen halten, was man will. Hier braucht es aber Solidarität. Es gilt, der von den Homöopathie-Vertretern unter den Tierärzten gestarteten Gegenpetition entgegenzutreten, die -wir sind eingermaßen entsetzt- inzwischen mit mehr als 3.000 Unterzeichnern weitaus mehr Resonanz gefunden hat als der Aufruf gegen Homöopathie. Die Lobby ist, wie sich zum wiederholten Male zeigt, zu einer Mobilisierung ihrer Anhängerschaft durchaus in der Lage. Und sie wird zweifellos ein überlegenes zahlenmäßiges Ergebnis statt wissenschaftlicher Evidenz und ärztlicher Redlichkeit in die populistisch geeichte Waagschale werfen.

Schlimmer gehts nimmer? Oh doch. Steigen wir weiter herunter in die Abgründe des mehr oder weniger gepflegten Unsinns, stoßen wir auf die Szene der Tierheilpraktiker. Eine Profession, die es eigentlich gar nicht gibt. Profession sagen wir auch nur verlegenheitshalber, weil wir die Bezeichnung "Beruf" vermeiden möchten, denn ein "Beruf" ist es nicht. Es fehlt an einem Berufsbild, es fehlt an einer Ausbildungsordnung, es fehlt an einem rechtlich verbindlichen Tätigkeitsrahmen. Es reicht die persönliche Entscheidung, ab sofort Tierheilpraktiker sein zu wollen. Ein Schild an der Tür oder ein Aufkleber auf dem fahrbaren Untersatz (denn anders als Humanheilpraktiker können Tierheilpraktiker ohne Weiteres auch ohne festen Geschäftssitz "mobil" praktizieren), eine Gewerbeanmeldung, und schon ist man Tierheilpraktiker und kann -mangels verbindlichem Rahmen- schalten und walten, wie man will. Und das wird auch getan. Wenn man sich Angebote von Tierheilpraktikern -die es im Internet in überwältigender Menge gibt- anschaut, dann muss man beinahe schon froh sein, wenn man "nur" auf Homöopathie stößt. Es findet sich dort beinahe jede vorstellbare Absurdität zum Traktieren kranker Tiere.

Ihre zweifelhafte Position im Tierheilwesen hindert die Tierheilpraktiker allerdings nicht daran, sich über die Gründung von Interessenverbänden eine Stimme im Konzert der Lobbyisten zu verschaffen. Und wenn man da ein wenig blättert, stößt man beispielsweise auf die folgende Meldung:

Tierheilpraktikertage 2018

20 Jahre Tierheilpraktikertage -

20 Jahre kompetente und vielfältige Tierheilkunde

Jubiläum! Na dann! Beispielsweise soll es dort um „Umgang mit schweren Pathologien in der Homöopathie“ gehen. Denn, ja, Homöopathie "kann eben nicht jeder"! Ja, man stellt sich seiner Verantwortung... Sicher eine sehr nette, in bestem Einvernehmen und großer Selbstüberzeugung stattfindende Veranstaltung in der schönen Rhön.

Dort erinnert man sich allerdings zweifellos ungern - wenn überhaupt - an einen sehr kritischen Beitrag zu dieser Veranstaltung, der bereits im letzten Jahr erschienen ist und an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Er stammt von dem Psychologen, Autor und Wissenschaftsjournalisten Colin Goldner, der sich gerade im Bereich des Tierschutzes vielfältig engagiert. Wir legen Ihnen diesen Beitrag ans Herz und raten allen, die Freunde, Bekannte oder Verwandte zum Wohle ihrer tierischen Freunde von Besuchen bei Tierheilpraktikern abhalten wollen, ihn an diese weiterzuempfehlen.

Hier nun der Link zu Colin Goldners Artikel mit dem ebenso knappen wie zutreffenden Titel:

Tierheilpraktische Quacksalberei

"Lesespaß" wünschen wir dazu nun nicht gerade, versprechen aber interessante Lektüre!

Beste Wünsche für die Gesundheit - auch unserer tierischen Freunde!
Ihr Susannchen-Team


 

Ist doch wohl klar!


Bildnachweise:
Fotolia 22713927_S (1)
Royal College Of Veterinary Surgeon (2, 3)
Eigene Memes (4, 5)


 

 

 

%d Bloggern gefällt das: