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So kann es gehen – ein Leserbeitrag zu „Mir / Ihr / Ihm hats geholfen!“

Liebe Leserinnen und Leser,

heute dürfen wir einen Gastbeitrag unserer Leserin Nahid Safija mit ihrer freundlichen Genehmigung veröffentlichen, der uns mit der Geschichte von Kater Billy ein weiteres Mal zeigt, wie die "guten Erfahrungen" mit Homöopathie und Co. zustandekommen. Vielen Dank für diesen interessanten Erfahrungsbericht!


Aus gegebenem Anlass erzähle ich euch jetzt eine Geschichte. Diese Geschichte soll aufzeigen, warum Einzelfallanekdoten (wie sie von antiwissenschaftlich Denkenden gerne vorgebracht werden) jeglicher Argumentationsgrundlage entbehren und keine aussagekräftigen doppelverblindeten randomisierten Studien ersetzen.
Dies ist die Geschichte unseres Katers Billy.

Billy verbrachte die ersten 3 Jahre seines Lebens unter übelsten Umständen mit 40 anderen Tieren in einem Messiehaushalt. Über das Tierheim fand er schließlich vor 2 Jahren den Weg zu uns. Er ist sehr scheu, lässt sich bis heute kaum anfassen und verträgt auch den kürzesten Transport absolut nicht.
Letztes Jahr im Frühling begann Billy zu humpeln. Wir ihn also eingefangen, ab in die Transportbox und zur nächstgelegenen Tierärztin um die Ecke. Billy fix und fertig. Röntgen, Ultraschall, Bluttest.

Der linke Oberschenkelknochen sieht äußerst seltsam aus. Dort wo die Konturen auf dem Röntgenbild gestochen scharf sein sollten, sind sie sehr verschwommen und von einer Art Schleier bedeckt.
Was könnte das sein?
Erste Möglichkeit: es ist eine Infektion des Knochens, ausgelöst durch eine Jahre zurück liegende Verletzung im Messiehaushalt.
Zweite Möglichkeit: aufgrund der beim Bluttest festgestellten Blutarmut könnte es sich aber auch um Blut- oder Knochenkrebs handeln.
Therapievorschlag: erst einmal mit einer 14 Tage anhaltenden Langzeitantibiose versuchen und dann weiter beobachten.

14 Tage später Billy wieder eingepackt und ab zum Tierarzt. Billy wieder allein durch den Transport fix und fertig.
Diagnose: Massiv verschlechterte Blutwerte und auch auf dem Röntgenbild eine Verschlimmerung. Trotzdem nochmals Langzeitantibiose und Zweitmeinung der Ingolstädter Tierklinik. Laut dieser handelte es sich mit 95%er Wahrscheinlichkeit um Krebs. Was wir aber erst beim 3. Besuch mit wiederum verschlechterten Werten erfuhren. Der Krebs sei nicht behandelbar, man müsse aber regelmäßig mit Röntgen kontrollieren und überwachen.
Regelmäßig diese Tortur für Billy? Und das, obwohl es nicht behandelbar sei?
Unsere Entscheidung darauf hin: wir ersparen ihm diese Quälerei, gestalten Billy stattdessen einen so schönen Sommer wie möglich und erlösen ihn, wenn nötig.

Während des Sommers hörte sein Humpeln auf, er war nicht mehr so mager und auch sein Fell wurde glänzender. Bis er Ende des Sommers wieder zu humpeln anfing. Dazu war sein Ballen extrem dick angeschwollen.
Nun, das war's dann wohl für den Kater. Wir ihn also eingepackt und diesmal den halbstündigen Weg zur Tierklinik in Nürnberg angetreten, damit rechnend, ihn zum letzten Mal lebend zu sehen...
Was geschah dann?

Es handelte sich lediglich um einen Abszess, der mit einer kleinen OP gut behandelbar sei. Ja, aber der Krebs am Oberschenkelknochen?
"Da ist nichts Auffälliges zu sehen." Allem Anschein nach hatte es sich also doch nur um eine Infektion gehandelt. Es hatte einfach nur außergewöhnlich lange gedauert, bis das Antibiotikum seine Wirkung entfaltete...
Heute, ein halbes Jahr später, erfreut sich Billy bester Gesundheit und genießt sein Leben.

Nun stellt euch vor, wir hätten statt des Nichtstuns auf pseudomedizinische Mittelchen zurück gegriffen. Wir hätten die Heilung wohl mit sehr großer Wahrscheinlichkeit darauf zurück geführt. Wir hätten dann mit großer Freude die Anekdote verbreitet, wie toll doch dieses Mittelchen gewirkt hätte. Und das sogar bei Krebs!

Und genau so "wirkt" Homöopathie, haltet euch das bitte vor Augen.


Danke! Natürlich mag man sagen, um Himmels Willen, was hat denn die Tierklinik da für eine Diagnostik abgeliefert?!? Aber erstens kommt so etwas selbstverständlich vor (im Gegensatz zur Pseudomedizin behauptet die wissenschaftliche Mediziner nicht, zaubern zu können) und zweitens wäre eine zutreffende Diagnose wohl kaum von einem alternativ orientierten "Tierheilpraktiker" geliefert worden, dem dazu die grundlegende Qualifikation fehlt und der daran interessiert ist, die Mittelchen und Methoden "seiner Wahl" anzubringen. Die möglicherweise auch eine Quälerei für den Kater gewesen wären. Und die Ursprungsdiagnose des Tierarztes war - richtig.


Bildnachweis: Eigenes Meme


 

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