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Oft begegnet man - meist im Zusammenhang mit der sogenannten "eigenverantwortlichen Impfentscheidung" - der Ansicht, eine durchgemachte Masernerkrankung sei im Hinblick auf die "Stärkung des Immunsystems" auf jeden Fall einer Impfung vorzuziehen. Natürlich ist das in mehrfacher Hinsicht Unsinn. Die Impfung stellt einen im Grunde sehr natürlichen Vorgang dar, eine gezielte Stimulierung des Immunsystems, wie sie mit tausenden täglich auf uns eindringenden Keimen "ganz von allein" auch stattfindet. Die Impfung ist nur eben gezielt und bezieht sich auf Erreger, von denen wir wissen, dass sie nicht so "mal eben" vom Immunsystem weggesteckt werden können.

Wir wissen heute, dass eine durchgemachte Masernerkrankung dagegen das Immunsystem nachhaltig schwächt, teils über Jahre hinweg - und sich damit das Erkrankungsrisiko bei Infektionen aller Art nach einer Masernerkrankung auch langfristig deutlich erhöht. Ganz abgesehen von der unnötigen Krankheitslast (der Summe aller Auswirkungen und Folgen von Erkrankungen) und natürlich dem Nebenwirkungs- und Spätfolgenrisiko. Und durch die akute Erkrankung geht das Immunsystem für sechs bis acht Wochen völlig "auf dem Zahnfleisch" - man nennt das "transitorische Immunschwäche", eine Einladung geradezu für bakterielle (Super-)Infektionen, was auch der Grund für die häufigen Mittelohr- und Lungenentzündungen im Zusammenhang mit Masern ist.

Wieder begegnen wir einem völlig falschen Natürlichkeitsbegriff. "Natürlich" ist eine Infektion allenfalls aus der "Sicht" des Bakteriums oder des Virus, das damit sein genetisches Programm erfüllt. Besonders schlimme Auswüchse dieser Fehleinschätzung sind "Masernpartys", bei denen in mehr oder weniger gutem Glauben Kinder bewusst und gezielt der ach so natürlichen Infektion mit dem Masernvirus ausgesetzt werden. Fraglos eine hocheffektive Angelegenheit, denn bei der Ansteckungsfähigkeit der Masern kann man davon ausgehen, dass nahezu hundert Prozent aller, die sich dort zusammen mit Infektionsträgern befinden, auch erkranken werden. Und nein, anders als Impfgegnerseiten suggerieren wollen, sind Masernpartys wohl kein "Mythos", keine "urban legend". Man muss sich sowas ja nicht unbedingt als Veranstaltung mit 100 Teilnehmern mit Plakaten, Einladungskärtchen und Facebook-Veranstaltungsankündigung vorstellen. Ein Nachbarschaftstreffen nach vorheriger Absprache tut es auch - ohne dass da groß was publik würde.

Wie schon gezeigt, ein schlimmer, grotesker Irrtum, befeuert von Unkenntnis, falsch verstandener Natürlichkeit und leider auch der Propaganda für die "Eigenverantwortlichkeit". Ob alle Besucher und Veranstalter von Masernpartys sich wohl über die möglichen rechtlichen Folgen klar sind? Kaum - sie sind es ja auch nicht hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen...

Ärzte, die öffentlich eine Teilnahme an Masern-Partys empfehlen, begehen nicht nur einen Kunstfehler, sondern machen sich sogar strafbar. Darauf weist z.B. die Bayerische Ärztekammer hin. Gegen Ärzte, die die Weiterverbreitung von Masern zulassen, können auch berufsrechtliche Schritte eingeleitet werden.

Nach dem Infektionsschutz-Gesetz (IfSG) kann die Weiterverbreitung von Krankheitserregern mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden (§ 75 Abs. 3 IfSG). Das betrifft die Veranstalter von Masernpartys ebenso wie die Eltern der betroffenen Kinder, deren "Elternrechte" hier eindeutig eine Grenze finden.

Die willentliche Infizierung eines Menschen mit einer Infektionskrankheit stellt eine vorsätzliche Körperverletzung dar (§ 223 StGB, Beibringung von Gift oder anderen gesundheitsschädlichen Stoffen), das kann sich im Einzelfall bis hin zur gefährlichen Körperverletzung gem. § 224 StGB erweitern.

Da die Teilnehmer dieser "Masernpartys" meist Kinder sind, kommt noch die Misshandlung Schutzbefohlener nach § 225 StGB hinzu. Im schlimmsten Fall, bei Folgeschäden der Masernerkrankung, ist in der Regel der Tatbestand der schweren Körperverletzung nach § 226 StGB erfüllt, bei einer Todesfolge Körperverletzung mit Todesfolge nach § 227 StGB. Der Strafrahmen liegt zwischen drei Monaten und zehn Jahren Freiheitsentzug.

Und Dr. Petra Albrecht, Vorstandsmitglied bei der Sächsischen Landesärztekammer, nennt in einem aktuellen Interview  Masernpartys ohne Umschweife "Kindeswohlgefährdung".

Schützt unsere Kinder! Lasst impfen - und prüft auch den eigenen Impfschutz!

 


Bildnachweis: Wir bedanken uns herzlich bei Kumi !

Susannchens Freund Onkel Michael interviewt seit einiger Zeit Menschen aus dem homöopathiekritischen Umfeld zu ihren Beweggründen für ihr Engagement. Es wurde höchste Zeit - nun ist es soweit: Ein Mitglied des Susannchen-Teams stellt sich vor!

Unser Zeichner Sascha kommt bei Onkel Michael zu Wort. Er ist  nicht nur Schöpfer der Figuren und Memes von Susannchen und ihren Freunden, sondern auch Mitentwickler dieser Webseite (die ja zum "Corporate Design" des  kleinen Susannchen-Unversums gehört). Wir finden, er hat eine Menge Interessantes zu erzählen, über das Internet und dessen Entwicklung, über die Auswirkungen der sozialen Medien auf das "echte Leben" und sich selbst und darüber, wie er zum "Team Susannchen" kam.

Hier nun geht es zum Interview auf dem Blog von Onkel Michael:

Warum ich Kritik an der Homöopathie wichtig finde – Heute: Sascha

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Sibylle Luise Binder, Autorin mehrerer Bücher und vieler Artikel über das Verhalten von Pferden, kriegt die Krise, wenn ihr wieder einmal jemand erzählt, dass Homöopathie bei Pferden „wirke“. Bei denen könne es doch kein Placebo-Effekt sein – oder? ...weiterlesen "Die Hottemäxchen und der Placebo-Effekt"

Susannchens Anliegen: Gesundes Aufwachsen ohne Pseudomedizin!

Wir begrüßen ganz herzlich eine neue Gastautorin, die aus eigener Erfahrung zu unserem Thema beitragen kann. In ihrer frühen Kindheit erlebte Sibylle Luise Binder eine anthroposophische Hausärztin, die sich der Homöopathie verschrieben hatte. Ihre Erinnerungen daran sind nicht erfreulich. ...weiterlesen "Zuckerkügelchen? Nein danke! – Meine Erfahrungen mit Homöopathie"

Die Autismus-Lüge - eine offenbar niemals endende Geschichte. Bedenkt man, welche Folgen der Betrug des Nicht-Mehr-Arztes Andrew Wakefield nun schon seit mehr als 20 Jahren hat (der Jahrestag des - viel zu späten - Zurückziehens seiner "Arbeit" durch den Lancet jährte sich am 28. Februar zum 21. Mal), kann man eigentlich nur wütend werden. Jeder "harmlosere" Ausdruck wäre unangebracht - und wer wollte widersprechen, wenn so mancher diese Geschichte als "Medizinskandal des Jahrhunderts" und Wakefield selbst als "Jahrhundertverbrecher" bezeichnet. ...weiterlesen "Susannchens kleine Impfkunde – Lügengeschichten: Widerlegt!"

Einer der Punkte, an denen die Impfgegner gern immer wieder einhaken, ist der Einwand, die Todesfälle seien doch längst vor der Einführung von Impfungen zurückgegangen, durch Hygiene, bessere Ernährung und bessere medizinische Versorgung! Da ist zwar durchaus etwas dran. Die Frage ist nur: Ist das ein Argument gegen Impfungen? ...weiterlesen "„Die Todesrate ist auch ohne Impfen gesunken“ – Impfgegnerargument™"

P-Globuli??? Nein danke - ich bin Skeptiker...

Schon mal von "P-Globuli" gehört? Ist uns schon öfter mal begegnet - meist unter dem Namen "Pupsglobuli" oder, ausführlich, "Paderborner Pupsglobuli". Was sich anhört wie ein Scherz, ist beileibe keiner, sondern das Leib- und Magenpräparat einer Paderborner Apotheke. Entwickelt vom früheren Eigentümer, offenbar mit Überzeugung weiter vertrieben von der jetzigen Geschäftsinhaberin und ganz offensichtlich höchst beliebt bei den jungen Muttis der Umgebung. Und nun hat dieses "Mittel" sogar den Weg in einen Bericht der "Neuen Westfälischen" gefunden. ...weiterlesen "P-Globuli – nicht mal Homöopathie…"