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P-Globuli??? Nein danke - ich bin Skeptiker...

Schon mal von "P-Globuli" gehört? Ist uns schon öfter mal begegnet - meist unter dem Namen "Pupsglobuli" oder, ausführlich, "Paderborner Pupsglobuli". Was sich anhört wie ein Scherz, ist beileibe keiner, sondern das Leib- und Magenpräparat einer Paderborner Apotheke. Entwickelt vom früheren Eigentümer, offenbar mit Überzeugung weiter vertrieben von der jetzigen Geschäftsinhaberin und ganz offensichtlich höchst beliebt bei den jungen Muttis der Umgebung. Und nun hat dieses "Mittel" sogar den Weg in einen Bericht der "Neuen Westfälischen" gefunden.

Man mag schon vom Ansatz her schmunzeln, aber letzten Endes haben wir hier nichts vor uns, was ungetrübte Heiterkeit rechtfertigen würde. Denn die P-Globuli strotzen vor Absurdität, auch und gerade unter homöopathischen Gesichtspunkten.

Worum handelt es sich? Um homöopathisch verdünnte Mittelchen wie Fenchel und Kümmel, die als Aufguss / Tee den kleinen bauchschmerzgeplagten Patienten in ihrer "Originalform" durchaus helfen, also in diesem Sinne "Medizin" darstellen. Ja, aber nun mag uns doch mal jemand erklären, wieso Mittel, die ganz normal helfen, wenn sie als Teeaufguss verwendet werden, nun plötzlich eine tolle Wirkung entwickeln sollen, wenn sie in hoher, pharmakologisch sicher nicht ausreichender Verdünnung (worauf Dr. Norbert Aust vom INH im Artikel bei der NW zu Recht hinweist) auf Zuckerkugeln verabreicht werden? Was, bitte, soll das denn mit Homöopathie zu tun haben?

Wir wissen: Das Similieprinzip in der Homöopathie beruht auf der Grundannahme, dass ein Stoff, der beim Gesunden eine Krankheit auslöst, diese bei einem Kranken zu heilen imstande sein soll. Wenn es eine zentrale Grundannahme im Rahmen von Homöopathie gibt, dann ist es ohne Zweifel diese.  Ja wie jetzt? Das passt doch hier schon mal vorne und hinten nicht! Fenchel, Minze, Kümmel und Co. lösen doch Blähungsbeschwerden beim Säugling und Kleinkind nicht aus, ganz im Gegenteil! Wenn man sich schon auf "Homöopathie" einlässt, kommt man hier zu dem Ergebnis, dass es absurder nicht mehr geht. Das hier ist - vom Verdünnungsgrad abgesehen - Allopathie reinsten Wassers, also die Behandlung mit einem Gegenmittel, nicht einem Similium, einem ähnlichen Mittel, also genau das, was Hahnemann in den tiefsten Grund der Hölle verdammte... Getobt hätte er, der Urvater der Zuckerkugeln, hätte sicher einen seiner berüchtigten cholerischen Ausbrüche hingelegt, wären ihm die "P-Globuli" begegnet...

Gleichwohl wird dieses populäre "Mittel" völlig ernsthaft besprochen. Die vertreibende Apothekerin ist offenbar von der "Wirkung" dieser Globuli ebenso überzeugt wie die treue Kundschaft im schönen Ostwestfalen. Dabei werden die Absurditäten des Mittels durchaus angedeutet im Artikel der Neuen Westfälischen, aber niemand sagt offen und klar, dass es sich um Bullshit hoch drei handelt, der weder Homoöpathie ist noch keine Homöopathie ... ach was soll man dazu sagen? Das ist so eine Sache, die ist eben in sich so falsch, dass nicht mal das Gegenteil  richtig ist...

Wir gestehen, dass uns die durchaus ein - kleines - Lächeln entlockt. Aber der Hintergrund ist doch ein sehr ernsthafter.

Denn was zeigt uns diese Geschichte? Sie zeigt, dass man den Menschen mit dem Image der Homöopathie (sanft, natürlich, nebenwirkungsfrei, hochwirksam, wir kennen das) jeden Mist andrehen kann und sie sich dafür dann auch noch mit Lobeshymnen bedanken. Sie zeigt ferner, dass von gestandenem Apothekenpersonal mit wissenschaftlich-pharmazeutischer Ausbildung keineswegs erwartet werden kann, offen zutage liegende Widersprüche auszumachen, die nicht nur Kritikern ins Auge fallen müssen, sondern auch Homöopathen, die wirklich etwas von ihrer Lehre verstehen. Diese Geschichte zeigt also, welche Folgen eine über Jahrzehnte mit allerlei Euphemismen, Des- und Fehlinformationen betriebene Imagekampagne pro Homöopathie in den Köpfen der Leute anrichten kann. Und angesichts dessen soll man ernsthaft dem "Argument" Bedeutung beimessen, Homöopathie beziehe ihre Berechtigung daraus, dass sie große "Beliebtheit" in der Bevölkerung genieße? Was einem in jüngster Zeit aus allen Ecken, sogar aus ärztlichen Fachblättern, entgegenschallt? Ernsthaft? (Dr. Natalie Grams hat darauf gerade in ihrer Kolumne "Grams' Sprechstunde" sehr treffend geantwortet.)

Und so sehen wir am Beispiel der Pupsglobuli aus Paderborn die ganze Problematik der Aufklärung über Homöopathie schlaglichtartig beleuchtet: Dem positiven Image, der "sozialen Reputation" der Homöopathie ist kaum beizukommen. Im Gegenteil. Image und Reputation reichen offenbar völlig aus, um den absurdesten Unsinn unter die Leute zu bringen, sogar solchen, der mit Homöopathie überhaupt nichts zu tun haben muss, Hauptsache, das Wort "Homöopathie" oder "Globuli" steht drauf.

Zum Schluss, um die Absurdität noch einmal zu steigern, sei angemerkt, dass die Apotheke sich völlig korrekt nach dem Arzneimittelgesetz richtet: sie vertreibt die Zuckerkugeln nicht unter "Pupsglobuli", sondern unter "P-Globuli", weil arzneimittelrechtlich der Vertrieb nur registrierter Homöopathika nicht unter Angabe einer Indikation zulässig ist... Formale Gesetzesbestimmungen werden sorgfältigst befolgt - bei der Handhabung der haarsträubendsten Unsinnigkeiten. Nun, lassen wir es heute dabei bewenden (und gestatten wir uns trotz allem ein leichtes Schmunzeln). Wie dem aber auch sei - für all dies ist wirklich nur noch der Godzilla-Facepalm angemessen:

Bildergebnis für godzilla facepalm


Bildnachweis: Pixabay Creative Commons CC0 / public domain

Auch zu Silvester - keine Globuli für Bello und Hannibal!

„Silvesterangst“ ist ein jährlich wiederkehrendes Thema – gerade in Städten wird ja oft schon Tage vor dem Jahreswechsel ordentlich „geknallt“, was unsere tierischen Mitbewohner in Angst und Schrecken versetzen kann.  Am besten wäre es, sich nicht erst im Dezember darüber Gedanken zu machen, sondern das Tier von Anfang an im Rahmen der „normalen Erziehung“ an laute Geräusche zu gewöhnen,  wie Topfdeckel schlagen, Gewitter oder Feuerwerk vorspielen… auch ein „alter Hund“ kann übrigens „neue Tricks" lernen!

Doch auch für sonst gelassene Tiere kann Silvester beängstigend sein, durch fremde (betrunkene) Menschen und Gerüche, und in den schlimmsten Fällen zu regelrechter Panik mit körperlichen Symptomen führen. Viele Tierbesitzer suchen nach Hilfe durch „sanfte Methoden“ und möchten nicht gleich zur „chemischen Keule“ greifen… und werden dabei mit der gesamten Bandbreite der „Schwurbelmedizin“ konfrontiert, von Homöopathie bis Tierkommunikation.

Dass es auch bei Tieren einen Placeboeffekt gibt, ist den Leserinnen und Lesern von Susannchens Seiten längst bekannt - zur Erinnerung noch einmal ein Artikel dazu hier;  wird zB hier erklärt.

Das Problem dabei ist: wer von der Wirkung von Globuli & Co überzeugt ist, sieht eine Wirkung, wo keine ist, interpretiert dabei das Verhalten des Tieres falsch (was wir auch im Zusammenhang mit  Akupunktur schon einmal aufgezeigt haben, Anm. Susannchen-Team) und übersieht tatsächliches Leiden.

Das Wesentliche des Placebo by proxy – Zuneigung und eine positive Ausstrahlung – sind sinnvoll und wichtig, wie Verhaltensbiologin Ariane Ullrich in unserem letzten Beitrag schrieb, und dabei völlig gratis. Auch Ablenkung - wie ein leckerer Kausnack und Hintergrundmusik, die den Lärm von draußen zumindest dämpft – können helfen.

Reichen solche Maßnahmen nicht aus, lassen Sie sich von Ihrer Tierärztin/Ihrem Tierarzt beraten! Es gibt ein Auswahl an Möglichkeiten, von Nahrungsergänzungen  (deren Einnahme allerdings schon Wochen vor dem Ereignis beginnen muss)  bis zu beruhigenden Medikamenten. Folgen Sie aber bitte keinesfalls Empfehlungen aus dem Internet unter dem Schlagwort „bei mir/uns hat es geholfen“  - Dosis, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen können bei jedem Tier anders sein.

Dr. Steffi wünscht Ihnen und Ihren Tieren einen möglichst stressfreien Jahreswechsel!


Dem schließen wir uns selbstverständlich gern an! Danke für die Treue und das Interesse auch im zweiten Jahr unserer Webseite - und auf ein gutes und erfolgreiches Jahr 2019!


Dr. Steffi ist Tierärztin in Wien. Nachdem sie 10 Jahre lang als Wissenschaftlerin an der Vetmeduni gearbeitet hatte, betreibt sie nun eine private Praxis. Ihr Spezialgebiet ist Ernährung & Diätetik. Als Mitglied der „Gesellschaft für kritisches Denken“ (Wiener Ortsgruppe der GWUP) engagiert sie sich in der Aufklärung über Ernährungsmythen und Alternativmedizin.

Bildnachweise: Pixabay Creative Commons CC0

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Im weihnachtlich geschmückten Wohnzimmer trifft sich Susannchen heute mit Onkel Michael.

Susannchen ist nämlich ein bisschen neugierig und möchte ein paar Sachen zum Blog von Onkel Michael wissen. Bei einem Gläschen heißer Schokolade und  Weihnachtsplätzchen unterhalten sich die beiden.


Erstmal ein großes Dankeschön, dass Du auch für meine Seite immer so schöne Artikel schreibst. Aber jetzt die erste Frage: Wie lange gibt es deinen Blog denn jetzt schon?

Onkel Michaels BlogMeinen Blog gibt es jetzt ziemlich genau drei Jahre und vier Monate.

 

 Wie bist du auf die Idee gekommen, so ein Projekt zu starten?

 

Onkel Michaels BlogNun, vor einigen Jahren ist mein Vater an Krebs gestorben. Und ab dem Moment, wo bekannt wurde, dass er Krebs hatte, tauchten aus allen Ecken irgendwelche komischen Vögel auf, die ihn dazu überreden wollten, seine Krankheit mit dubiosen Pseudotherapien zu behandeln. Angefangen bei der Homöopathie, über Schüßler-Salze, Misteltherapie, Magnetfeldtherapie, anthroposophische Medizin bis hin zu "Germanischer Neuer Medizin". Mein Vater wollte davon glücklicherweise nichts hören und blieb bei der evidenzbasierten Medizin.

Ich habe mir dann vorgestellt, wie es wäre, wenn ein weniger informierter Mensch in so eine Situation gerät und dann auf einen Scharlatan hereinfällt. Dagegen wollte ich mich engagieren und meinen kleinen Beitrag zur Aufklärung leisten.

Es heißt doch immer, dass Homöopathiekritiker von der Industrie bezahlt würden. Also, wer bezahlt dich dafür?

 

Onkel Michaels BlogIch muss ehrlich sagen, dass ich mich über diesen Vorwurf immer ein bisschen ärgere. Ich kenne ja nun eine Reihe von Homöopathiekritikern und keiner erhält für seine Aufklärung auch nur einen müden Cent. Seien es die Hostingkosten für meinen Blog, Bahnfahrkarten zu Vorträgen oder Kosten für Recherchen - das zahle ich alles aus eigener Tasche.

Vor allem ärgert mich dieser Vorwurf aber, weil er eine Umkehr der Tatsachen darstellt. Ich persönlich habe keine finanziellen Vorteile, die Gegenseite schon. Seien es Homöopathen, Heilpraktiker, Apotheker oder die Pharmariesen, die Globuli herstellen. Auch die Lobby- und Berufsverbände der Homöopathen haben ein Geschäftsinteresse an der Homöopathie. Wir müssen uns vor Augen halten, dass die Homöopathie ein Geschäftsfeld mit hunderten Millionen Euro Umsatz ist. Und dabei sind beispielsweise die ganzen Laienratgeber und sonstige Merchandisingprodukte noch gar nicht mit hineingerechnet.

Wie findest du die Themen für deine Artikel und wie lange dauert es, bis ein Artikel fertig ist?

 

Onkel Michaels BlogNun, die Themen finde ich in den Weiten des Internets, in Zeitschriften oder auch durch Hinweise von meinen Leserinnen und Lesern. Das Schöne ist ja, dass ich mich nur mit den Sachen  beschäftige, die mich sehr interessieren und die ich spannend finde. Meistens ist es aber so, dass es mehr Themen als Zeit gibt, denn so einen Artikel zu schreiben ist schon einiges an Arbeit.

Zuerst recherchiere ich nach der entsprechenden Literatur. Einiges ist da schon im Internet vorhanden, aber vieles muss ich mir über Bibliotheken besorgen. Und dann muss natürlich gelesen werden! Ich schreibe mir die wichtigsten Informationen aus den Büchern oder Artikeln heraus und erstelle eine grobe Gliederung. Naja, und dann wird geschrieben. Und wenn ich geschrieben habe, dann kommt das Lektorat, wo nach Fehlern geschaut wird. Das macht eine liebe Freundin von mir.

Man kann sagen, von der Idee bis zum fertigen Artikel dauert es gut zwei bis drei Wochen.

Bekommst du manchmal auch Reaktionen von deinen Leserinnen und Lesern? Oder vielleicht sogar von Homöopathen?

 

Onkel Michaels BlogJa, ich bekomme durchaus Rückmeldungen. Daher weiß ich auch, dass ich gerade in Österreich eine recht große Leserschaft  habe, worüber ich mich sehr freue. Ich freue mich eigentlich über jede Rückmeldung, auch über konstruktive Kritik.

Natürlich bekomme ich auch „nette“ Briefe von Esoterikern, denen ich mit meinen Artikeln auf den Schlips trete, aber damit kann ich gut leben. Wobei ich feststelle, dass der Ton gerade von Seiten der Homöopathie-Anhänger in letzter Zeit um sehr vieles rauer geworden ist. Da fragt man sich schon, ob überhaupt je eine Kinderstube vorhanden war. Aber das geht ja nicht nur mir und meinem Blog so.

 Wie meinst du das?

Onkel Michaels BlogNun, wenn man sich beispielsweise die sozialen Medien anschaut, und gerade wie es momentan bei Twitter zugeht, dann ist das teilweise wirklich nicht mehr lustig. Natürlich gibt es auch den einen oder anderen Skeptiker, der mal über die Stränge schlägt, aber das negative Niveau der Esoteriker und besonders der Homöopathen wird hier nie erreicht.

Als Beispiel sei hier das abscheuliche Kesseltreiben gegen Natalie Grams genannt, das Mitte dieses Jahres stattgefunden hat. Hier wurde ja nicht einmal vor Verleumdungen der übelsten Natur zurückgeschreckt. Sowas darf nicht passieren. Man kann diskutieren, auch härter, aber einige Regeln müssen eingehalten werden. Aber momentan sind die Esoteriker ja komplett außer Rand und Band.

Da hast du allerdings recht. Wie viele Menschen lesen denn deinen Blog? Weißt du das?

 

Onkel Michaels Blog2018 war bisher das erfolgreichste Jahr. Die Zugriffe auf meinen Blog haben sich mehr als verdoppelt und liegen jetzt aktuell bei 71.500. Das ist wirklich der Wahnsinn und ich hätte nie gedacht, dass ich je so einen Erfolg damit haben könnte.

Warum hast du kürzlich die Adresse deines Blogs geändert?

 

Onkel Michaels BlogGanz einfach, bisher hatte ich bei der Blogger-Plattform WordPress die kostenlose Blogvariante gebucht. Jetzt war es aber so, dass es dort immer Werbeeinblendungen gab, deswegen bin ich jetzt auf die kostenpflichtige Variante umgestiegen. Aber keine Angst, es gibt eine Weiterleitung von der alten Adresse auf die neue.

Eine letzte Frage: Was wäre dein Wunschprojekt außerhalb des Blogs?

 

Onkel Michaels BlogHm, natürlich würde ich gerne ein Buch veröffentlichen. Mir würde da ein "Handbuch der Schwurbelmedizin" oder etwas in der Richtung vorschweben, aber dafür wird sich vermutlich kein Verlag finden...

Lieber Onkel Michael, ich danke dir für das nette Gespräch und deine offenen Antworten! Frohe Weihnachten!

 

Viele von Onkel Michaels Artikeln findet ihr regelmäßig hier oder auf unserer Facebook-Seite. Hier kommt ihr direkt zu seinem Blog: https://onkelmichael.blog/

Onkel Michaels Blog


Bildnachweise: skt_johann / Susannchens Memes

Naja ... Wenns nicht schlimmer wird...

Liebe Tierfreunde,

das Jahresende steht bevor - viele Hundebesitzer wissen, was das für ihre Vierbeiner heißen kann. Dazu bringen wir schon heute einen kleinen Beitrag von Verhaltensbiologin Ariane Ullrich. So bleibt noch Zeit bis zum Silvestertag, um Arianes Tipps zu befolgen und ein wenig mit Bello zu trainieren:


Bald ist es wieder soweit und viele Hunde werden sich in Panik in den hintersten Zimmerwinkel verkriechen, kurz vor dem Herzinfarkt stehen oder vor Stress zittern und sabbern.

Die Knallerei und Lichtreize sind für viele Hunde extrem erschreckend und ängstigend. Jedes Mal, wenn der Hund dieses Erlebnis hat, wird es für ihn schlimmer werden und eine anfängliche Empfindlichkeit kann sich rasch zu einer Geräuschphobie auswachsen, bei der er auch bei anderen Geräuschen zum nervlichen Wrack mutiert.

Statt also abzuwarten, ob der Hund überhaupt Angst hat, ist es sinnvoll vorzubeugen. Hunde können lernen, laute plötzliche Geräusche mit tollen Sachen zu verbinden. Zum Beispiel, indem Sie während des Spielens Knallgeräusche so einfließen lassen, dass Ihr Hund das zwar mitbekommt, aber dennoch begeistert weiterspielt. Oder indem Ihr Hund selbst lernt, laute Geräusche auszulösen. Zum Beispiel, wenn er den Zieh-Trick lernt, bei dem er an eine Schnur angehängte Konservenbüchsen mit Steinen darin auf Signal zu Ihnen bringt.

Hunde, die schon Angst vor der Knallerei haben, brauchen zuerst einmal eines: die Sicherheit Ihrer Gegenwart. Seien Sie für Ihren Hund da, wenn er Angst hat. Streicheln und massieren Sie ihn, um das Kuschel- und Entspannungshormon Oxytozin freizusetzen, und erlauben Sie ihm, die Plätze aufzusuchen, die ihm gut tun, um mit seiner Angst klarzukommen. Da dürfen Hunde auch mal mit unter die Bettdecke.

Wenn Sie noch ein paar Tage Zeit haben, dann bauen Sie sich ein Entspannungssignal auf. Bringen Sie Ihren Hund durch Kuscheln und Massieren in eine entspannte Stimmung und lassen Sie dann immer dieselbe Melodie laufen. Starten Sie nun täglich das Entspannungsritual mit dieser Melodie und schalten Sie diese erst ab, wenn Ihre Entspannungssession vorüber ist. Nun haben Sie mit der Melodie bald ein Signal, was allein schon reicht, Ihren Hund in einen entspannteren Zustand zu versetzen, und Sie können es nutzen, um Ihrem Hund zu helfen.

Diese Art von Ritual bietet Hunden nicht nur Sicherheit, sondern tatsächlich auch physiologische Hilfe, die Angst zu überwinden.

Wenn Sie nicht einschätzen können, wie Ihr Hund reagieren wird oder wenn Sie wissen, dass Ihr Hund wirklich Panik bekommt, gehen Sie ruhig einmal zum Tierarzt und lassen Sie sich dort beraten!


Vielen Dank, Ariane!

Übrigens... Wer möchte Genaueres dazu wissen, wie man trainieren kann, damit der Hund nächstes Mal keine Angst mehr hat? Interessiert das Thema Hund ganz generell? Dann empfehlen wir gern, sich in Arianes Newsletter unter  www.hundekongress.com einzutragen. Dort kann man sich dann sogar das EBook "So übersteht dein Hund Silvester" (Wert 10 Euro) kostenlos herunterladen.

Müssen wir noch erwähnen, dass homöopathische Globuli nicht mal etwas nützen, wenn man damit die Ohren zustopft (bitte nicht versuchen!)? Sollte es jemand vergessen haben, hier geht es zu unserem Beitrag vom Dezember 2017, der das Problem "Silvesterglobuli" endgültig abhandelt.


Bildnachweis:
Pixabay Creative Commons CC0
Ariane Ullrich


 

Wir freuen uns sehr! Tierärztin Dr. Stefanie Handl wird in loser Folge für unsere Webseite wissenschaftsbasierte Tipps zur Tiergesundheit und allem drumherum aufschreiben. Das ist auch dringend nötig, denn oft genug haben wir darauf hingewiesen, welchen Umfang Pseudomedizin und Scharlatanerie rund um die Tiergesundheit haben.
Bei uns bekommt sie dafür ihre eigene Kolumne: Doktor Steffis Sprechstunde! Aber keine  lange Vorrede - hier kommt der erste Beitrag:

Zu Weihnachten wird geschlemmt und genascht – und da fällt für unsere vierbeinigen Freunde auch das eine oder andere ab, sei es absichtlich oder unabsichtlich. Doch sind „Menschen-Kekse“ für Hunde nicht ungesund?

Nun, wirklich gefährlich kann Hunden Schokolade werden, besonders solche mit hohem Kakaoanteil, wie Kochschokolade oder Kuvertüre. Zucker ist für Hunde übrigens nicht schädlich, er verursacht keine Karies (bekommen Hunde nur ganz selten) und führt auch nicht zu Diabetes.

Abgesehen davon sind Kekse und Süßigkeiten vor allem kalorienreich, das kann besonders bei kleinen Hunden rasch zu einem „Speckgürtel“ anwachsen.

Natürlich muss Naschen und Belohnen hin und wieder erlaubt sein! Doch wer zu kalorienärmeren Alternativen greift, muss sich (und den Hund) später nicht durch eine Diät quälen. Besonders kalorienarme Leckerbissen sind Obst und Gemüse. Hier darf fast alles verwendet werden, was auch wir Menschen essen, wie Möhren, Rüben, Gurken, Zucchini, Paprika, Äpfel, Beeren… Tabu sind Weintrauben und alles, was mit Zwiebel, Knoblauch, Lauch oder Schnittlauch gewürzt wurde.  Geeignet sind außerdem ohne Fett gebackene Kartoffelchips, fettarmer Käse (wie Quargel/Klosterkäse) oder gekochte Nudeln. Eine einfache Rechnung:  Je kleiner die Bissen sind, desto mehr kann man geben  - für den Hund zählt, DASS er belohnt wird, nicht wie groß das Stück ist.

Ein praktischer und extrem kalorienarmer Trick ist ein leerer Deoroller, den man mit stark verdünntem Futter, Suppe oder Saft füllt – der Hund darf zur Belohnung daran schlecken, bekommt den leckeren Geschmack, aber so gut wie keine Kalorien. Leere Deoroller gibt es im Kosmetikzubehör, man kann sie zerlegen, auswaschen und wiederverwenden. Diese Methode eignet sich auch für sehr nervöse Hunde, die in Stresssituation keine Futterbelohnungen annehmen (z.B. zu Silvester).

Übrigens: Ist es draußen kalt und dunkel, kann man Hunde auch in der Wohnung zu Bewegung animieren, sie lieben Such- oder Denkspiele!

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Tipp: Suchen Sie rechtzeitig vor den Feiertagen Anschrift und Nummer der nächsten Tierklinik mit Notdienst heraus!

Denn: Häufige Notfälle in der Weihnachtszeit sind neben einem „verdorbenen Magen“ leider immer wieder verschluckter Christbaumschmuck, Haken, Lametta (besonders beliebt bei Katzen!) und Knochen von der Weihnachtsgans. Also - aufgepasst!

Ihre
Doktor Steffi!


Dr. Steffi ist Tierärztin in Wien. Nachdem sie 10 Jahre lang als Wissenschaftlerin an der Vetmeduni gearbeitet hatte, betreibt sie nun eine private Praxis. Ihr Spezialgebiet ist Ernährung & Diätetik. Als Mitglied der „Gesellschaft für kritisches Denken“ (Wiener Ortsgruppe der GWUP) engagiert sie sich in der Aufklärung über Ernährungsmythen und Alternativmedizin.


Und wir liefern noch einen Nachtrag (21.12.2018). Dr. Steffi schreibt uns:

Auf meinen Beitrag zum Thema „Weihnachtskekse“ bekamen wir einige Hinweise, dass der Zuckerersatz Xylit, mit dem man auch Backen kann,  für Hunde giftig ist – das ist absolut richtig. Auch wenn ich selbst nicht auf die Idee käme, den Kaloriengehalt meiner Weihnachtskekse zu verringern (man will schließlich davon zehren in der kalten Jahreszeit…)  haben mir Kolleginnen und Kollegen berichteten, dass  sie schon Vergiftungen durch Kekse oder Kuchen mit Xylit hatten.

Xylit (auch: Xylitol) ist kein „künstlicher Süßstoff“, sondern kommt in verschiedenen Gemüsesorten, Früchten und Bäumen vor (deswegen auch „Birkenzucker“). Er hat die selbe Süßkraft wie Haushaltszucker, aber weniger als die Hälfte an Kalorien, deswegen wird er für Diabetiker oder in der „gesunden Küche“ für Kekse, Brot und Kuchen verwendet. Es gibt sogar homöopathische Globuli aus Xylit!

Da Xylit bei Menschen Karies vorbeugt und einen kühlenden Effekt auf der Zunge hat, wird es außerdem schon lange in Zahnpasta, Kaugummi  und Lutschpastillen eingesetzt.

Im Gegensatz zum Menschen und zur Katze führt Xylit beim Hund zur Ausschüttung von Insulin, dadurch wird der Blutzuckerspiegel gesenkt. Da aber kein „echter Zucker“ kommt, sinkt der Blutzuckerspiegel unter den normalen Bereich ab – und das ist lebensgefährlich! Zusätzlich wurde nach Aufnahme von Xylit Leberversagen beobachtet, was ebenfalls zum Tod führen kann.

Wenn Sie beobachtet oder nur den Verdacht haben, Ihr Hund könnte etwas mit Xylit gefressen haben, gehen Sie so rasch wie möglich zum Tierarzt! Versuchen sie NICHT, dem Hund etwas einzuflößen - er könnte sich verschlucken. Stattdessen können Sie Sirup oder Honig auf die Lefzen oder das Zahnfleisch schmieren, so wird der Zucker direkt ins Blut aufgenommen.

Bewahren Sie Lebensmittel, die nicht für den Hund bestimmt sind, immer gut verwahrt auf!

Ihre

Dr. Steffi!

 

https://www.ages.at/produktwarnungen/produktwarnung/bio-bittere-aprikosenkerne/

Pseudomedizin ist ein weites Feld. Ganz aktuell macht eine Produktwarnung der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) online die Runde. Dabei wird vor bestimmten Chargen des Produkts „Gesund & Leben - Bio-Bittere Aprikosenkerne“ gewarnt. Grund sei Gesundheitsschädlichkeit wegen eines „überhöhten Gehalts an Blausäure-Cyanwasserstoff“. ...weiterlesen "Apfel, Nuss und Aprikosenkern… wie bitte? Das ominöse „Vitamin B 17“"

Liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde,

heute setzen wir unsere Zusammenarbeit mit dem "Skeptiker", der Zeitschrift für Wissenschaft und kritisches Denken, fort, die wir mit dem "Geistheilerartikel" begonnen hatten. Wir präsentieren eine Buchbesprechung aus der Ausgabe 3/2018 des "Skeptiker" zum Thema Pseudomedizin bei Tieren, zu einem leider bislang nur in englisch erhältlichen Buch, das - da schließen wir uns der Rezensentin gern an - so oder ähnlich auch in Deutschland hochwillkommen wäre: ...weiterlesen "„Alternative“ Tiermedizin – So behandelt man keinen Freund!"