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Onkel Michaels neue Brille, die Krankenkassen und die Homöopathie

Grafik: @skt_johann

Ihr habt es vermutlich schon gehört - die Krankenkassen wollen ihre Beiträge erhöhen. Da erhebt sich doch die Frage, warum sie dann nicht endlich einmal Schluss mit der (anteiligen) Erstattung der Zuckerkügelchen machen, die - im Gegensatz zu Brillen - in 200 Jahren noch nie eine Wirkung nachweisen konnten. 

Onkel Michael hat sich darüber so seine Gedanken gemacht und sie uns als Gastartikel geschickt. Wir stimmen ihm da zu. Onkel Michael hat das Wort:



Der Onkel war heute beim Optiker und hat seine neue Brille bestellt. Eine Gleitsichtbrille, weil man ja im gewissen Alter ist, in welchem die Arme zu kurz sind, um Bücher im richtigen Abstand zu halten. Gut, ich bin noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen, was den Preis angeht, und musste keines meiner Organe auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Aber Qualität hat halt ihren Preis.

Als ich aus dem Laden raus bin, stieg mein Blutdruck allerdings in ungeahnte Höhen. Ich bin nämlich an der Geschäftsstelle meiner Krankenkasse vorbei gekommen und was mussten meine alten Augen da erblicken? Ein ganzes Schaufenster mit Werbung für die Homöopathie-Leistungen der Kasse. Und natürlich waren alle Buzz-Words wieder mit dabei: „Ganzheitlich“, „Natürlich“ oder „ohne Nebenwirkungen“...

Ich habe mir das mal angeschaut und gesehen, welche Leistungen meine Krankenkasse für eine Therapieform zum Fenster rausschmeißt, die in 200 Jahren nicht einen evidenten Wirkbeweis vorbringen konnte - eine Therapieform, deren Wirkung nicht über den Placeboeffekt hinausgeht. Und das nur ein paar Minuten, nachdem ich 900 Euro für eine Gleitsichtbrille hingelegt habe, zu der meine Kasse wieviel zuschießt? Genau – Nix. Niente. Nada. Nüschte. Noch nicht mal einen feuchten Händedruck. Und das, obwohl Brillen ja schon seit Jahrhunderten nachweislich Nutzen bringen. Im Gegensatz zur Homöopathie. Die bringt schon seit Jahrhunderten nix, außer den Geldbörsen der Verordner und Hersteller.
Vielleicht sollte ich es statt mit einer Brille mal mit einer homöopathischen Sehhilfe versuchen, vielleicht schießt die Kasse da was zu. Wenn ich dann Omma Kowalski über den Haufen fahre, weil ich trotz homöopathischen Kokolores nix sehe, dann ist das eben ein Kollateralschaden. Gut, für die Omma ist es halt doof…

Und ja, ich verstehe die Krankenkassen. Sie wollen mit diesen Leistungen das typische Berlin-Kreuzberg-Studienratsgattinnen-Klientel für sich gewinnen, das es ja überall gibt. Dagegen ist prinzipiell aus kaufmännischer Sicht nichts zu sagen. Es ist halt nur verwerflich, wenn an anderer Stelle Leistungen verringert oder sogar verweigert werden, während für so einen Mumpitz Gelder bereit stehen.
Hinzu kommt, dass die Homöopathie-Lobbyisten aus solchen Angeboten eine gewisse Legitimation ziehen und damit wird auch ihre Hybris immer größer. Irgendwann stehen sie dann da und behaupten doch glatt, sie könnten Covid 19 mit ihrem Zauberzucker lindern oder sogar heilen. Nein, ich veralbere euch nicht, hammse tatsächlich getan. Googelt mal „Covid und Homöopathie“, da rollen sich euch die Fußnägel bis zur Kniescheibe auf. Aber was reg ich mich da auf, Krebs wollen’s ja auch angeblich heilen können mit ihren Kügelchen.

Ok, ich glaub, ich höre an dem Punkt wieder auf, ich merke schon, wie der Blutdruck wieder steigt… Erstmal einen Eierlikör zur Beruhigung...

Euer

Onkel Michael


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Warum beim Thema Brillen und Zahnersatz der Gesetzgeber gefordert ist, erklärt das INH auf seiner Webseite: (Link).

Weitere Beiträge von Onkel MIchael findet ihr auf seinem Blog: https://onkelmichael.blog/

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