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Wer nichts weiß, muss alles glauben. Das machen sich viele zunutze, die mit angeblichen Wundermethoden daherkommen und den Menschen erzählen, das würde ihnen helfen. Helfen beim Suchen nach dem Sinn des Lebens (der ist das Leben selbst), nach spiritueller Befreiung (also dazu, noch weniger zu wissen und noch mehr zu glauben), oder, was am Schlimmsten ist, Krankheiten heilen zu können.

Viele dieser Methoden lassen sich unter dem Begriff „Geistheilen“ zusammenfassen. Menschen, die so etwas praktizieren, berühren ihre PatientInnen allenfalls bei der Begrüßung. Sie untersuchen auch niemanden. Sie lassen sich allenfalls (manchmal auch nicht) erzählen, worunter er oder sie leidet und praktizieren dann ihre „geistige Heilung“. Manchmal passiert gar nichts, außer dass den Patienten erzählt wird, es passiere gerade was. Nämlich Heilung via „Geist“. Meist aber werden dabei Rituale ausgeführt, wie beispielsweise beim Reiki.

Kann das funktionieren? Man sagt bei Menschen, die trotz körperlicher Schwächen große Leistungen vollbringen, das sei ein „Sieg des Geistes über den Körper“. Hört sich gut an. Aber: Es ist der Sieg des Willens des Menschen als Einheit, der inneren und äußeren Kraft seiner Persönlichkeit. Sicher könnte man diese Kraft auch als „Geist“ bezeichnen, aber die Geistheiler und ihre Anhänger verstehen darunter etwas eigenes, unabhängiges, einen Teil des Menschen, der etwas anderes ist als der Körper. Die Vorstellung, dass Geist und Körper „zwei Dinge“ seien (Leib-Seele-Dualismus), ist uralt, wird aber heute von der Wissenschaft nicht mehr geteilt. Der Mensch ist ein „Ganzes“; eine „Entität“. Dass der „Geist“ von jemand anderem aber den Körper eines Menschen über Suggestion hinaus beeinflussen kann, das ist so oder so Hokuspokus.


Es gab mal einen Prozess, den ein Geistheiler angestrengt hatte, weil ihm die Behörden auf den Zahn fühlen wollte. Immerhin ist ja das "Ausüben der Heilkunde" nur mit Erlaubnis gestattet. Der ging bis zum Bundesverfassungsgericht und mündete im sogenannten „Geistheilerurteil“. Das besagt so grob, dass der Staat keinen Anlass zu Erlaubnispflichten, Regulierungen oder Beaufsichtigungen dieses Gewerbes habe, da von diesem keine Gefahr ausgehe. Weil ja jedermann wisse, dass er dort keine Leistung zu erwarten habe, die mit der von „Ärzten und Heilpraktikern (sic!)“ vergleichbar sei. Echt jetzt?

Wir kennen die Augenfarbe der RichterInnen des damals erkennenden Senats zwar nicht, vermuten aber, dass es in der Mehrheit blau war. Die Geistheiler waren mit diesem – ganz offensichtlich provozierten – Prozess hochzufrieden und benannten sich gleich danach in „geistige Heiler“ um. Was, genau betrachtet, schon einen Unterschied macht (nämlich den, ob ich den Geist heile oder mit dem Geist heile). Drumherum gibt’s noch andere Skurrilitäten (so entschied das Bundessozialgericht z.B. 2018, dass Geistheiler „Teil des Gesundheitswesens“ seien (hust …) und infolgedessen Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung zu zahlen hätten).

Darüber könnte man ein eigenes Buch schreiben. Aber das wollten wir eigentlich gar nicht erzählen …


Eine in den USA sehr verbreitete Form des Geistheilens, für die es sogar Schulen und die beliebten Zertifikate gab, war das „Therapeutic Touch“ (TT), also das „Heilende Berühren“. Die Vertreter dieser Richtung behaupteten, sie könnten ein "Human Energy Field" (HEF), also ein „Menschliches Energiefeld“ spüren, das um einen menschlichen Körper vorhanden sei. Und das könnten sie mit ihren Händen beeinflussen und damit Krankheiten heilen. Berührungsfrei, selbstredend. Wie sie das genau machen, womöglich über HEF-Akupressur oder so, darüber ließen sich diese Leute nicht näher aus.

Geschicktes Marketing und medienwirksame Botschafter sorgten für reichlich Verbreitung und Zulauf, wie sollte es auch anders sein. Mediale Vorreiterin war eine gewisse Dolores Krieger, ihres Zeichens Krankenschwester, die eine ganze Reihe von Berufskolleginnen im Schlepptau hatte, die sich total begeistert vom „TT“ zeigten. Das HEF-Dings fühle sich an wie Wackelpudding (Jelly) und schmeichle den Händen (feels taffy), was immerhin für ein Energiefeld recht erstaunlich scheint.

Ein Video mit dieser Propaganda sah eine junge Dame, die gerade am Wissenschaftswettbewerb ihrer 4. Schulklasse teilnehmen wollte. Der 4. Klasse? Ja, Emily Rosa war damals neun (9) Jahre alt!

Emily fand das Ganze, mit Verlaub, offenbar ziemlich irre. Und sie entwarf ein Studiendesign für eine einfachverblindete Studie, mit der man prüfen konnte, was denn die TT-Heiler wirklich auf dem Kasten hätten.

Und tatsächlich kam es dazu, dass in einer ersten Phase im Kontext ihres Schulwettbewerbs 15 TT-HeilerInnen über einen längeren Zeitraum mehrfach getestet wurden. Im Blindversuch sollten sie feststellen, ob Emily gerade ihre Hand über die ihre hielt oder eben nicht. Und siehe da – mehr als die statistische Wahrscheinlichkeit zeigte sich nicht.

Dies wurde bekannt und weckte Interesse. Stephen Barrett, einer der großen Medizinaufklärer der USA (und INH-Unterstützer) nahm sich der Sache an. Scientific American, die weltweit bekannte Wissenschaftszeitschrift, ermöglichte Emily ein Jahr später (1997) die Wiederholung ihrer Tests mit 13 TherapeutInnen (davon 7 aus dem ersten Test) und dazu an einem Tag. Die Sache wurde auf Video aufgezeichnet, um ein beweiskräftiges Protokoll zu haben. Jede/r Therapeut/in bekam zehn Blindversuche und konnte vorher Emilys Hände untersuchen und selbst festlegen, welche sie – wegen starken HEFs – testen wollten. Und mit welchem Ergebnis? Weder Wackelpudding noch Handschmeicheln wurden über die statistische Wahrscheinlichkeit hinaus erkannt, im Gegenteil (Trefferquote 0,44 von 1).

Das schien einer Veröffentlichung wert. Es wurde eine saubere Arbeit erstellt, für die Barrett als Hauptautor fungierte. Emilys Mutter, wissenschaftlich nicht unbedarft, ebenfalls, Emily selbst als Studiendesignerin und Durchführende, ihr Stiefvater zeichnete für die statistische Auswertung verantwortlich. Es soll aber auch nicht verschwiegen werden, dass beide Eltern schon seit Jahren aktiv gegen Hokuspokus, auch TT, bei der Behandlung von Kindern eintraten. Was Emilys Leistung nicht schmälert.

Gesagt, getan. Und ein weiteres Jahr später, 1998, erschien im Journal of the American Medical Association (JAMA), einem der ganz großen medizinischen Journale, die Veröffentlichung über Emilys Arbeit unter dem Titel A Close Look at Therapeutic Touch [1]. Ergänzt wurde die Arbeit durch eine umfangreiche Literaturrecherche, die das Ergebnis stützte. Und das lautete:

Unseres Wissens wurde keine andere objektive quantitative Studie veröffentlicht, an der mehr als einige wenige TT-Praktizierende beteiligt waren, und keine gut konzipierte Studie weist irgendeinen gesundheitlichen Nutzen von TT nach. Diese Tatsachen, zusammen mit unseren experimentellen Ergebnissen, legen nahe, dass die Behauptungen über TT unbegründet sind und dass eine weitere Anwendung von TT durch Angehörige der Gesundheitsberufe nicht gerechtfertigt ist.

Der JAMA-Herausgeber beendete die Diskussion über das Alter von Emily schon bevor sie begonnen hatte mit den Worten: „Alter spielt keine Rolle. Gute Wissenschaft spielt eine Rolle, und das hier ist gute Wissenschaft“.

Bis heute ist Emily die jüngste Studienautorin, die je in einem wissenschaftlichen Journal publiziert hat. Die mediale Reaktion blieb nicht aus, in der New York Times war sie „das Kind aus der Geschichte von des Kaisers neuen Kleidern“.

Eine klare Widerlegung der Behauptungen der TT-TherapeutInnen. Eine nachfolgende Studie beschäftigte sich eingehend mit Studiendesign und statistischer Auswertung und zog den Schluss, dass positive Ergebnisse sich zwanglos durch das Erspüren von Körperwärme erklären lassen. Bis heute ist Emilys Ergebnis unwiderlegt. Sie schloss ihr Studium an der University of Colorado in Denver 2009 mit dem Schwerpunkt Psychologie ab.

Max ist begeistert!

Wie schon eingangs gesagt: Wer nichts weiß, muss alles glauben. Und wer mehr wissen will, braucht vor allen Dingen Neugier, Skepsis und Fantasie!


[1] Rosa L, Rosa E, Sarner L, Barrett S. A Close Look at Therapeutic TouchJAMA. 1998;279(13):1005–1010. doi:10.1001/jama.279.13.1005
https://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/187390

 


 

Bildnachweis: Udo Endruscheit für Susannchen braucht keine Globuli


 

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Das Impfthema lässt uns alle nicht los. Und damit ist auch stets die Frage aktuell, woher eigentlich diese ganzen Richtungen stammen, von der Impf"skepsis" (die sich oft nur verharmlosend so nennt) über die "eigenverantwortliche Impfentscheidung" bis hin zur Hardcore-Impfgegnerschaft, die sich unbelehrbar und auch unversöhnlich gibt. Wir wollen einige Betrachtungen dazu anstellen, weil wir es für die Aufklärungsarbeit wichtig finden, Gründe und Herkunft von "Impfgegnerschaft" zu verstehen. Deshalb wollen wir uns dem sachlich nähern. ...weiterlesen "Impfskepsis, Impfgegnerschaft – eine Annäherung"

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Liebe Leserinnen und Leser,

heute setzen wir unsere Reihe mit Antworten auf die "Kritik an der Homöopathiekritik" fort, die das Homeopathy Research Institute (HRI) in 13 Einzelbeiträgen auf seiner Homepage veröffentlicht hat. Heute geht es darum, was "Wissenschaftler sagen".

„Wissenschaftler sagen, Homöopathie ist nicht möglich“ – teilt uns das HRI in Teil 3 seiner Artikelreihe mit. [1]

Was Wissenschaftler aber tatsächlich sagen, ist Folgendes:

  • [Wir schließen aus unseren Untersuchungen,] dass die Behauptungen zur Homöopathie unplausibel sind und im Widerspruch zu den etablierten wissenschaftlichen Grundlagen stehen.
  • Wir erkennen an, dass bei einzelnen Patienten ein Placebo-Effekt auftreten kann, aber wir stimmen früheren ausführlichen Untersuchungen zu und schließen daraus, dass keine Krankheiten bekannt sind, für die es robuste und replizierbare Nachweise gäbe, dass die Homöopathie über diesen Placebo-Effekt hinaus wirksam sei. [2]

...weiterlesen "Zur Kritik an unserer Homöopathiekritik – III: „Wissenschaftler sagen, Homöopathie ist unmöglich“"

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Hypothesengebäude der Homöopathie (Symbolbild)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir wollen uns heute fragen, was es eigentlich bedeutet, wenn eine Methode sich in vielen unterschiedlichen Varianten, um nicht zu sagen Abarten, verliert - wie das bei der Homöopathie ausgeprägt der Fall ist. Gemeinsam ist das bei den "Varianten" der Homöopathie fast nur noch die Berufung auf Hahnemann, die Unantastbarkeit des Organon (was letztlich auch nur ein Lippenbekenntnis ist), irgendeine Ausprägung des Ähnlichkeitsprinzips und der Grundsatz der Wirkungszunahme durch Verdünnung. Als Grundlage für eine Methode, die wissenschaftliche Anerkennung einfordert, etwas dünn... Positiv formuliert, spricht man in einem solchen Falle gern von "Vielfalt".  Jedoch...

DIE Homöopathie gibt es nicht.

Gelegentlich wird gar geäußert, es gebe so viele Spielarten der Homöopathie, wie es Homöopathen gibt. So ganz falsch ist das nicht. Wenn man auch noch die Laienmeinungen zur Homöopathie (Naturheilkunde, Kräutermedizin …) einbezieht, wird es sicher schon einigermaßen uferlos.

...weiterlesen "Die „Vielfalt“ der Homöopathie oder: Jenseits von Hahnemann"
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Kleine Wiederholung

Im ersten Teil unserer Serie hatten wir betrachtet, was ein wissenschaftlicher Wirkungsnachweis ist und welche Anforderungen an einen solchen zu stellen sind. Im zweiten Teil wollen wir nun klären, weshalb die Homöopathiekritiker zu der Aussage kommen, es gebe keine belastbare Evidenz dafür, dass die Homöopathie über den Placeboeffekt hinaus wirksam ist.

„Es gibt keine einzige gute Studie, die beweist, dass Homöopathie wirkt“

... wird uns Homöopathiekritikern seitens des englischen Homeopathic Research Institutes (HRI) im Rahmen von dessen Artikelserie „FAQ Homöopathie“  in den Mund gelegt, aber das sagen wir so gar nicht. Warum nicht? Eine Studie kann niemals „beweisen“, dass „Homöopathie wirkt“. Sie könnte bestenfalls einen Hinweis liefern, dass die Homöopathie für eine bestimmte Indikation eine über Placebo hinausgehende Wirksamkeit aufweisen könnte. Deshalb verwenden die Homöopathiekritiker eine solche Formulierung nicht, sie wäre eine Leerformel ohne Aussagewert. ...weiterlesen "Zur Kritik an unserer Homöopathiekritik – II: „Positive Studien fehlen“"

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Bild: Jez Timms [Public Domain] / Unsplash
Liebe Leserinnen und Leser,

der Chemische Reporter stellt in einem Beitrag auf seiner Seite den Stoff "Wasser" vor und lässt uns eine Menge Neues erfahren - Interessantes und Erstaunliches, Wissenswertes und Esoterisches, auch das berühmte (homöopathische) Wassergedächtnis kommt vor. Wir freuen uns, seinen Beitrag hier veröffentlichen zu dürfen.

Sie haben sicher schon von den Versuchen gehört, die angebliche Wirkungsweise von Homöopathie mit einem "Wassergedächtnis" zu erklären, in dem angeblich die "Informationen" des homöopathischen Grundstoffes "gespeichert" werden sollen, die dann auch noch nach Aufsprühen auf Globuli, Verdunsten des Flüssigkeitsanteils (!) und dem Weg der Zuckerkügelchen durch den menschlichen Verdauungstrakt auf wundersame Weise die homöpathische "Heilung" herbeiführen sollen... Naja. So verrückt das für den gesunden Menschenverstand klingt, so muss man doch feststellen, dass das Wassergedächtnis eine Menge Fans hat, die diese "Erklärung der Homöopathie" immer und immer wieder vorbringen.

Aber hier nun der Artikel vom Chemischen Reporter: ...weiterlesen "Gastbeitrag vom Chemischen Reporter: Schlecht informiertes Wasser!"

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Liebe Leserinnen und Leser,

heute beginnt eine kleine Reihe von Beiträgen über die Argumentationsmuster, mit denen die Homöopathielobby der Kritik des Informationsnetzwerks Homöopathie und anderer Skeptiker entgegentritt. Diese Beiträge mögen ein wenig komplexer als üblich ausfallen, wir wollen aber wegen ihrer  grundsätzlichen Bedeutung nicht darauf verzichten, sie hier vorzustellen. Sie sollen dazu beitragen, dass Sie sich ein besseres Bild von dem scheinbaren ständigen "Hin und Her" in Sachen Homöopathie machen können.

Ausführlichere Versionen finden Sie jeweils auf der Webseite des Informationsnetzwerks Homöopathie und auf dem Blog "Beweisaufnahme in Sachen Homöopathie" von Dr. Norbert Aust. Wir würden uns über Ihr Interesse freuen! Sicher werden Sie unsere kritische Haltung zur Homöopathie mit diesen Beiträgen noch besser nachvollziehen können und vielleicht auch für die eigene Argumentation von ihnen profitieren.

Teil I: Wissenschaftliche Nachweise

...weiterlesen "Zur Kritik an unserer Homöopathiekritik – I: Wissenschaftliche Nachweise"

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